Süddeutsche Zeitung
BILDUNG UND BERUF Samstag, 1. September 2001
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Vorsicht Kamera!

Das Seminar „Exzellent im Rampenlicht“ soll Unternehmensvertreter medienfest machen

Der Kandidat schwitzt, und die Fragen der Journalisten werden ihm zusehends unangenehmer. Und dann passiert es: „Wir reden hier eigentlich von Peanuts“, rutscht es ihm heraus – ein Zitat, das nun nicht mehr aus der Welt zu schaffen ist. Der Vorfall ereignete sich im Jahr 1994 – und an dem Schaden, den die unbedachte Äußerung des damaligen Vorstandssprechers Hilmar Kopper verursacht hatte, laborierte die Deutsche Bank noch Jahre später.

Ganz ähnlich, wenn auch zum Glück ohne die schlimmen Folgen, erging es einer Teilnehmerin im Seminar Exzellent im Rampenlicht – Wirkungsvoll reden. Bei einer Übung auf dem „heißen Stuhl“ parierte sie einen Zwischenruf unbedacht mit den Worten: „Sie haben doch gar keine Ahnung, wie es in unserem Unternehmen zugeht!“ Hängen blieb bei der Gruppe nur die erste Hälfte des Satzes: „Sie haben keine Ahnung.“ Solche Situationen gar nicht erst entstehen zu lassen, ist das Ziel des Seminars, das Siemens Qualifikation und Training (SQT) regelmäßig im unternehmenseigenen Internationalen Führungszentrum in Feldafing veranstaltet.

Die Teilnehmer lernen in Theorie und vielen praktischen Übungen die wichtigsten Kommunikationsaufgaben einer Führungskraft kennen: Ob Begrüßung oder kleine Ansprache, ob Präsentation oder öffentliche Diskussionsrunde, ob „heißer Stuhl“, knappes Statement oder die „Königsdisziplin“ Fernsehinterview – die Videokamera ist während der zweieinhalbtägigen Veranstaltung immer dabei. Das bringt so manchen Teilnehmer ins Schwitzen, denn das ausführliche Feedback der versammelten Runde sowie der Seminarleiterin Alexa Hardtke decken Stärken wie Schwächen der eigenen Kamerapräsenz unerbittlich auf. Sachlich fundiert, humorvoll und fair analysiert die ehemalige Journalistin Auftreten, Kommunikationsstil und Argumentation der Teilnehmer. Das strengt an – zumal sich die Veranstaltung nicht an die üblichen Bürozeiten hält: Nach dem Abendessen geht es weiter, bis das umfangreiche Pensum abgearbeitet ist.

Das Seminar würde aber seinem zweiten Anspruch „Wirkungsvoll reden“ nicht gerecht, wäre da nicht die Sprechtrainerin Ingeborg Grosz. „Atmen Sie! Wenn Sie richtig atmen, können Sie Ihr Lampenfieber beherrschen. Wenn Sie falsch atmen oder zu atmen vergessen, dann bekommen Sie einen Blackout.“ Das ist das Credo der ehemaligen Opernsängerin, die seit mehr als zehn Jahren Menschen in Stimmbildung, Atem- und Sprechtechnik und Rhetorik unterrichtet. Gemeinsam übt die Gruppe die Zwerchfellatmung, erproben die Teilnehmer die Bandbreite der eigenen Stimme, die Feinheiten des Ausdrucks und der Stimmführung. In einem halbstündigen Einzelcoaching erhält dann jeder individuell Tipps, wie er beim Vortrag Stimme und Körpersprache verbessern könnte. Diesem Teil dürfte ruhig noch mehr Zeit eingeräumt werden. Denn es stellte sich heraus, dass im Grunde jeder weiß, was er sagen will – nur mit der Ausführung hapert es eben.

Der Höhepunkt des Seminars war zweifelsohne der Einsatz eines veritbablen Kamerateams des Bayerischen Fernsehens. Jeder Teilnehmer gab gegen Ende der Veranstaltung unter realen TV-Bedingungen ein Interview und konnte damit zeigen, was er gelernt hatte. Wenn die Kamera läuft, der Scheinwerfer unbarmherzig das Gesicht ausleuchtet und der Tontechniker den Soundcheck gemacht hat, dann heißt es: Jetzt bloß kein falsches Wort – es könnte zum Kalauer werden.

Ingrid Brunner

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